Liebe Leserinnen und Leser,

der Mai ist vorbei, und wenn man auf die Kurstafeln schaut, möchte man fast meinen, der März hätte nie stattgefunden. Dabei lag genau dazwischen das spannendste Kapitel unseres Anlagejahres. Aber der Reihe nach.

Das Wichtigste in Kürze

  • Am 30. März, mitten in der Panik nach dem Nahost-Konflikt, haben wir mit rund einem Fünftel des Portfolios zugekauft. Am 29. Mai, mit beiden Indizes auf Allzeithoch, haben wir wieder verkauft.
  • Auf den eingesetzten Anteil brachte das rund 15 Prozent, für das Gesamtdepot etwa 3 Prozent Rückenwind aus einer einzigen Aktion.
  • Eine Woche nach dem Ausstieg fiel der Nasdaq um über 4 Prozent an einem Tag. Der Sturm fand ohne uns statt.

Was an den Märkten los war

Kurz gesagt: Bullische Szenarien haben durchregiert. Der breite US-Index S&P 500 kletterte im Mai um rund 5 Prozent und schloss den Monat auf einem nagelneuen Allzeithoch, die neunte Gewinnwoche in Folge und damit die längste Serie seit 2023. Auch der Nasdaq markierte neue Rekorde. Der Treiber war derselbe wie das ganze Jahr über: Künstliche Intelligenz. Die Tech-Schwergewichte lieferten starke Zahlen, und als zum Monatsende auch noch Dell mit einem Ausblick für seine KI-Rechenzentren um fast 40 Prozent nach oben sprang, war die Stimmung endgültig festlich.

Im Hintergrund half ein zweiter Faktor. Der Ölpreis fiel im Mai um fast 17 Prozent, der stärkste Monatsrückgang seit über einem Jahr. Nachdem die Sorge um die Straße von Hormus die Märkte im Frühjahr noch in Angst und Schrecken versetzt hatte, sorgte die Aussicht auf eine verlängerte Waffenruhe mit Iran nun für Erleichterung. Geopolitik kann eben in beide Richtungen wirken.

Was wir getan haben, und warum es sich gelohnt hat

Jetzt der Teil, auf den wir ein kleines bisschen stolz sind. Sie erinnern sich vielleicht an den März: Konflikt im Nahen Osten, Ölpreis explodiert, Dow Jones an einem Tag über 1.000 Punkte im Minus, Schlagzeilen vom „Marktblutbad". Viele Anleger taten damals, was man in Panik eben macht. Sie verkauften zum schlechtestmöglichen Zeitpunkt.

Wir hatten vorgesorgt. Schon im Sommer und Herbst 2025 hatten wir das Depot defensiver aufgestellt, Risiko vom Tisch genommen, unsere ruhigen Volatilitäts- und Absolute-Return-Bausteine gestärkt und, ganz entscheidend, einen ordentlichen Betrag Liquidität im Geldmarktfonds geparkt. Das sah eine Weile aus wie Faulheit, war aber Munition.

Kurz erklärt: Was ist ein Geldmarktfonds?

Ein Geldmarktfonds legt in sehr kurzlaufende, sichere Zinspapiere an. Er schwankt kaum, wirft aber den aktuellen Marktzins ab und ist praktisch täglich verfügbar. Für uns ist er der Parkplatz für Kapital, das auf eine Gelegenheit wartet. Anders als Geld auf dem Konto arbeitet es dort, und anders als in Aktien steht es sofort bereit, wenn die Kurse fallen.

Und so konnten wir am 30. März, als die Laune am Boden und der Markt nahe seinem Tief war, beherzt zugreifen. Mit rund einem Fünftel des Portfolios, in den Nasdaq 100 und den MSCI World, beide währungsgesichert, damit uns der Dollarkurs nicht die Rendite verhagelt. Bewusst nicht das ganze Depot: Mut ja, unnötiges Risiko nein.

Eine einzige gut getimte Aktion, gekauft am 30. März, verkauft am 29. MaiWertentwicklung auf den eingesetzten Anteil
Nasdaq 100 (eingesetzter Anteil)▲ 28 %
MSCI World (eingesetzter Anteil)▲ 14 %
Rückenwind fürs Gesamtdepot▲ rund 3 %

Den Rest besorgte der Mai. Am 29. Mai, mit beiden Indizes auf Allzeithoch, haben wir Kasse gemacht, nahezu punktgenau am Höchststand. Zusammen waren das knapp 15 Prozent auf den eingesetzten Anteil, und das ohne dafür das ganze Vermögen aufs Spiel zu setzen.

Der Mai war ein Rekordmonat. Der eigentliche Gewinn wurde im März gemacht, als es niemand sehen wollte.

Und die unaufgeregten Volatilitäts-Kollegen im Depot? Die haben in der wilden Phase genau das getan, wofür sie da sind. Das Ganze ruhig gehalten, während andernorts die Nerven blank lagen. Manchmal sind die Langweiler eben die Helden.

Und dann kam der Freitag

Dass dieser Ausstieg kein Zufallstreffer war, zeigte sich prompt. Am 5. Juni rauschte der Nasdaq um über 4 Prozent nach unten, der schlechteste Tag seit April 2025. Ein heftiger Ausverkauf bei Chip-Aktien, Nvidia allein rund minus 6 Prozent, befeuert von einem überraschend starken US-Arbeitsmarktbericht, der die Zinssenkungshoffnungen dämpfte und die Anleiherenditen nach oben trieb. Der S&P 500 verlor 2,6 Prozent, der Dow knapp 700 Punkte.

Für uns war es ein ruhiger Tag. Genau eine Woche zuvor hatten wir unsere Nasdaq- und MSCI-World-Positionen bereits glattgestellt, der Sturm vom Freitag fand also ohne uns statt. Und der Rest des Depots ist dank seiner defensiven Struktur ohnehin nicht auf das Wohlergehen einzelner Chip-Aktien angewiesen. Während andere am Freitagabend nervös auf die Kurse starrten, konnten wir das Wochenende genießen. So soll es sein.

Kurz erklärt: Was heißt währungsgesichert?

Wer einen US-Index kauft, kauft zwei Dinge auf einmal: die Kursentwicklung und den Dollar. Fällt der Dollar gegenüber dem Euro, schmilzt der Gewinn, auch wenn die Aktien gestiegen sind. Eine währungsgesicherte Variante schaltet diesen zweiten Effekt weitgehend aus. Sie kostet etwas Rendite, macht das Ergebnis dafür planbar. Bei einer Aktion über wenige Wochen ist genau das der Punkt.

Was hängenbleibt

Wie der Freitag zeigte, ist der richtige Ausstieg manchmal genauso wertvoll wie der mutige Einstieg. Wer in Panik verkauft, erwischt fast immer den falschen Moment. Wer vorbereitet ist und einen kühlen Kopf bewahrt, dem schenkt so eine Krise Chancen. Kein Hexenwerk, nur Handwerk.

Eine Bitte zum Schluss: Dieser Marktbrief beschreibt die allgemeine Linie unserer Vermögensverwaltung. Ihr eigenes Depot ist individuell. Wenn Sie Fragen haben oder über Ihre persönliche Aufstellung sprechen möchten, kommen Sie jederzeit gerne auf uns zu. Wir nehmen uns gerne die Zeit.

Bleiben Sie gelassen, wir tun es auch. Bis zur nächsten Ausgabe!

Häufige Fragen

Warum haben Sie nicht das ganze Depot investiert, wenn Sie sich so sicher waren?

Weil wir uns nicht sicher waren, und niemand es sein kann. Am 30. März war der Markt nahe seinem Tief, das wussten wir aber erst hinterher. Ein Fünftel des Portfolios war die Größe, bei der ein Rückschlag verkraftbar geblieben wäre und ein Treffer trotzdem spürbar wirkt. Genau so ist es dann gekommen.

Warum haben Sie im Mai verkauft und nicht laufen lassen?

Weil die Aktion von Anfang an ein Zukauf auf Zeit war und kein neuer Depotbaustein. Beide Indizes standen auf Allzeithoch, das Ziel war erreicht. Eine Woche später fiel der Nasdaq um vier Prozent an einem Tag. Man kann den Ausstieg nicht planen, aber man kann sich vornehmen, ihn zu machen, wenn das Ziel erreicht ist.

Gilt diese Wertentwicklung auch für mein Depot?

Die genannten Zahlen beziehen sich auf die allgemeine Linie unserer Vermögensverwaltung. Ihr Depot folgt ihr, weicht im Detail aber ab, je nach Einstiegszeitpunkt, Anlagesumme und Ihrem persönlichen Risikoprofil. Die konkreten Zahlen stehen in Ihrem Report, und wir gehen sie jederzeit gerne mit Ihnen durch.

Was passiert, wenn die Märkte wieder einbrechen?

Dann greift dasselbe Muster wie im März. Ein ordentlicher Teil des Depots liegt verzinst im Geldmarktfonds und wartet auf Gelegenheiten, der Rest ist defensiv aufgestellt und hängt nicht am Wohlergehen einzelner Technologiewerte. Ein Einbruch ist für einen vorbereiteten Anleger kein Unglück, sondern ein besserer Einstiegspreis.


Philipp Schütz, Die BeratungsManufaktur GmbH

Diese Information dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung oder Empfehlung dar. Die dargestellten Wertentwicklungen beziehen sich auf einen konkreten, abgeschlossenen Zeitraum und sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Jede Kapitalanlage ist mit Risiken verbunden, bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals.