Liebe Leserinnen und Leser,
im letzten Marktbrief endeten wir mit gut gefüllter Kasse und dem Satz, der richtige Ausstieg sei manchmal genauso wertvoll wie der mutige Einstieg. Einige von Ihnen haben daraufhin die naheliegende Frage gestellt: Schön, und was macht ihr jetzt mit dem Geld? Der Juni hat die Antwort geliefert. Der Reihe nach.
Zur Einordnung: Die Vermögensverwaltung, über die dieser Brief berichtet, erbringt unser Partner INNO INVEST, ein von der BaFin beaufsichtigtes Wertpapierinstitut. Die Depots laufen auf den Namen der Kundinnen und Kunden bei der Depotbank. Die BeratungsManufaktur entwickelt die Anlagestrategie und ist Ihr Ansprechpartner.
Das Wichtigste in Kürze
- Statt einer Rückkehr in die teuren Weltindizes kamen Mitte Juni fünf neue Bausteine ins Depot, gezielt dort, wo Qualität günstig zu haben ist.
- Als in der letzten Juniwoche die Technologiewerte verkauft wurden, legten ausgerechnet die günstiger bewerteten Bereiche weiter zu, während der Nasdaq fiel.
- Ein erheblicher Teil liegt weiter verzinst im Geldmarktfonds. Die Aktienquote wächst nach Plan, aber zu unseren Preisen.
Was an den Märkten los war
Der Juni war ein Monat mit zwei Gesichtern. Zunächst setzte sich die Erholung fort. Nach dem Kursrutsch vom 5. Juni, den wir bekanntlich entspannt verfolgen durften, fingen sich die Märkte rasch wieder. Die eigentliche Nachricht des Monats aber: An ihre alten Rekorde von Anfang Juni kamen S&P 500 und Nasdaq den ganzen Monat nicht mehr heran. Neue Allzeithochs erreichte stattdessen ausgerechnet der Dow Jones, der Index der klassischen Industrie- und Substanzwerte, und das gleich zweimal. Die EZB hob nebenbei die Zinsen um einen Viertelpunkt auf 2,25 Prozent an, an den Aktienmärkten kaum mehr als eine Randnotiz.
Richtig deutlich wurde der Stimmungsumschwung in der letzten Juniwoche. Chip-Aktien fielen an fünf Handelstagen in Folge, der Nasdaq verlor auf Wochensicht rund 4,6 Prozent, und plötzlich wurde laut gefragt, ob die KI-Begeisterung die Bewertungen überdehnt hat. Das eigentlich Interessante war aber nicht der Ausverkauf, sondern wohin das Geld floss. Nicht an die Seitenlinie, sondern in Banken, Industrie, Gesundheitswerte und die zweite Reihe.
Kurz erklärt: Was ist eine Rotation?
Von einer Rotation sprechen Fachleute, wenn Kapital nicht den Markt verlässt, sondern innerhalb des Marktes umzieht: raus aus dem Teuren, rein ins Günstige. Das ist etwas grundlegend anderes als ein Crash. Die Kurse der bisherigen Favoriten fallen, während andere Bereiche gleichzeitig steigen. Wer nur auf den Hauptindex schaut, sieht bloß rote Zahlen und übersieht, dass daneben etwas Neues anläuft.
Ein Detail am Rande: Für Euro-Anleger stand der Weltaktienindex trotzdem auf Rekordniveau. Das verdankte er allerdings weniger den Kursen als dem Dollar, der im Juni gut anderthalb Prozent zulegte, weil die US-Notenbank angesichts hartnäckiger Inflation wieder den strengen Ton anschlug.
Die große Rotation
Im Juni wurde die Linie generalüberholt. Nach dem Verkauf der Nasdaq- und MSCI-World-Positionen Ende Mai stellte sich die Frage: einfach zurück in dieselben Indizes? Wer heute einen klassischen Weltindex kauft, kauft zu rund 70 Prozent USA und darin vor allem eine Handvoll sehr teurer Technologiewerte. Das war uns zu viel Klumpenrisiko für den aufgerufenen Preis.
Stattdessen kamen Mitte Juni fünf neue Bausteine hinzu, gezielt dort, wo Qualität gerade günstig zu haben ist.
- Europäische Banken
- Solide Gewinne und rund 4 Prozent Dividendenrendite bei einer Bewertung, die etwa ein Drittel unter dem Weltdurchschnitt liegt.
- Europäische Substanzwerte
- Systematisch die günstige Hälfte des europäischen Marktes.
- S&P 500 in gleicher Gewichtung
- Alle 500 großen US-Unternehmen zu gleichen Teilen im Depot, statt die teure Spitze überzugewichten.
- Gesundheitswerte weltweit
- Der defensive Nachzügler dieses Jahres.
- Lateinamerika
- Die günstigste Aktienregion der Welt, die ebenfalls rund 4 Prozent Dividende zahlt.
Kurz erklärt: Was heißt „in gleicher Gewichtung"?
Im normalen S&P 500 zählt ein Unternehmen umso mehr, je wertvoller es an der Börse ist. Die größten sieben Konzerne machen dort inzwischen rund ein Drittel des Index aus. In der gleichgewichteten Variante bekommt jedes der 500 Unternehmen denselben Anteil, also je ein Fünfhundertstel. Man ist damit in denselben Firmen investiert, aber breiter verteilt und mit deutlich weniger Abhängigkeit von einer Handvoll Technologiewerte.
Zur Einordnung: Der Weltaktienmarkt kostet derzeit etwa das 17-Fache der erwarteten Gewinne. Die Banken- und Lateinamerika-Bausteine kosten etwa das 12-Fache, die US-Technologiespitze das 22- bis 25-Fache.
Wir kaufen lieber dort, wo es günstig ist, und nicht dort, wo es laut ist.
Drei Wochen sind keine Bewertungsperiode. Zur Ehrlichkeit gehört außerdem, dass in US-Anlagen für Euro-Anleger stets auch der Dollarkurs mitspielt, in beide Richtungen.
Die Nagelprobe kam prompt
Als in der letzten Juniwoche die Technologiewerte verkauft wurden, zeigte sich, wofür die neue Aufstellung gedacht ist. Ausgerechnet Banken und Gesundheitswerte, zwei der Neuzugänge, legten weiter zu, während der Nasdaq fiel. Der Markt begann genau die Bewegung, auf die die neue Aufstellung ausgerichtet war. Dafür musste niemand etwas tun. Die Positionen waren schon da.
Und falls die Technologie-Rally doch weiterläuft? Auch dann ist die Linie dabei. Über den Equal-Weight-Baustein sind alle 500 großen US-Unternehmen enthalten, nur eben nicht mit Schwerpunkt auf den teuersten. Und ein ordentlicher Teil Liquidität wartet weiterhin im Geldmarktfonds auf Gelegenheiten. Sie erinnern sich: Munition.
Wie die Linie jetzt aufgestellt ist
- Geldmarktfonds
- Verzinst geparkt und bereit zum Nachkaufen, wenn der Markt Gelegenheiten bietet.
- Marktneutrale Strategien
- Die Volatilitäts- und Absolute-Return-Bausteine, die das Depot schon durch den März getragen haben.
- Aktien
- Die fünf neuen Bausteine, mit dem klaren Plan, diesen Anteil schrittweise auszubauen.
- Edelmetalle
- Versicherung für den Fall der Fälle.
Das ist bewusst konservativ. Die Aktienquote wächst nach Plan weiter, aber zu unseren Preisen, nicht zu jedem Preis.
Was hängenbleibt
Der Mai gehörte dem Ausstieg, der Juni dem Wiedereinstieg, nur eben nicht dorthin zurück, wo alle stehen. Günstig kaufen fühlt sich selten spektakulär an. Meistens kauft man dann Dinge, über die gerade niemand spricht. Aber genau dort entsteht langfristig Rendite. Kein Hexenwerk, nur Handwerk.
Eine Bitte zum Schluss: Dieser Marktbrief beschreibt die allgemeine Linie unserer Vermögensverwaltung. Ihr eigenes Depot ist individuell. Wenn Sie Fragen haben oder über Ihre persönliche Aufstellung sprechen möchten, kommen Sie jederzeit gerne auf uns zu. Wir nehmen uns gerne die Zeit.
Bleiben Sie gelassen, wir tun es auch. Bis zur nächsten Ausgabe!
Häufige Fragen
Warum kaufen Sie keinen einfachen Weltindex?
Weil ein klassischer Weltindex heute zu rund 70 Prozent aus US-Werten besteht und darin vor allem aus einer Handvoll sehr teurer Technologieunternehmen. Man kauft also weniger die Welt als eine Wette auf wenige Titel, und das zum 22- bis 25-Fachen der erwarteten Gewinne. Über den gleichgewichteten S&P 500 sind dieselben Unternehmen enthalten, nur ohne dieses Klumpenrisiko.
Warum liegt so viel Geld im Geldmarktfonds?
Weil es dort verzinst arbeitet und trotzdem sofort verfügbar ist. Die Aktienquote soll planmäßig wachsen, aber zu angemessenen Preisen. Ohne freie Liquidität lässt sich ein Rücksetzer nicht nutzen. Der Bestand ist also kein Zögern, sondern die Voraussetzung dafür, im richtigen Moment handeln zu können.
Was passiert, wenn die Technologiewerte weiter steigen?
Dann sind wir dabei, nur weniger stark als der Gesamtmarkt. Über den gleichgewichteten S&P 500 sind alle 500 großen US-Unternehmen enthalten, auch die Technologiekonzerne. Die teure Spitze wird nur nicht übergewichtet. Das kostet in einer reinen Tech-Rally etwas Rendite und schützt dafür, wenn die Bewertungen zurückkommen.
Gilt das alles auch für mein Depot?
Der Marktbrief beschreibt die allgemeine Linie. Ihr Depot folgt ihr, weicht im Detail aber ab, je nach Einstiegszeitpunkt, Anlagesumme, steuerlicher Situation und Ihrem persönlichen Risikoprofil. Die genauen Zahlen stehen in Ihrem Report. Wir gehen sie jederzeit gerne mit Ihnen durch.
Philipp Schütz, Die BeratungsManufaktur GmbH
Diese Information dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung oder Empfehlung dar. Die dargestellten Wertentwicklungen beziehen sich auf einen konkreten, abgeschlossenen Zeitraum und sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Jede Kapitalanlage ist mit Risiken verbunden, bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals.