Liebe Leserinnen und Leser,
im letzten Marktbrief endeten wir mit dem Satz: Die Aktienquote wächst nach Plan weiter, aber zu unseren Preisen, nicht zu jedem Preis. Im Juli hat der Markt diesen Plan auf die Probe gestellt. Es wurde die lehrreichste Woche des Jahres. Der Reihe nach.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Nasdaq 100 verlor im Juli gut 11 Prozent und sprang danach binnen einer Woche um 9 Prozent zurück. Unsere fünf Aktienbausteine hielten in dieser Zeit ihr Niveau oder legten zu.
- Am Tiefpunkt, dem 29. Juli, hat unser Regelwerk automatisch die zweite Kaufstufe ausgelöst. Der Aktienanteil ist damit von knapp zehn auf rund 17 Prozent gewachsen.
- Rund ein Drittel des Depots liegt weiter verzinst im Geldmarktfonds. Kommt ein weiterer Rücksetzer, löst die nächste Stufe aus. Kommt er nicht, bauen wir ab Mitte September in Monatsraten auf.
Was an den Märkten los war
Der Juli begann versöhnlich: Die US-Inflation fiel von 4,2 auf 3,5 Prozent, weil der Ölpreis-Schock des Frühjahrs aus den Zahlen lief. Die Erleichterung hielt ungefähr eine Woche. Dann meldete sich alles gleichzeitig zurück: Die Straße von Hormus trieb den Ölpreis zeitweise wieder über 100 Dollar, die US-Notenbank ließ die Zinsen zwar unverändert, aber gleich drei Ratsmitglieder stimmten für eine Erhöhung. So viel Widerspruch gab es dort selten. Und die Technologiewerte, die Lieblinge der letzten Monate, gerieten ins Rutschen: Der Nasdaq 100 fiel an sechs Handelstagen in Folge, in der Spitze lag er gut 11 Prozent unter seinem Hoch.
Kurz erklärt: Was ist der Nasdaq 100?
Der Nasdaq 100 bündelt die 100 größten Unternehmen der US-Technologiebörse Nasdaq, darunter Apple, Microsoft, Nvidia und Meta. Weil dort die Technologiewerte dominieren, reagiert er stärker als der breite Markt, nach oben wie nach unten. Genau deshalb eignet er sich als Messlatte dafür, wie teuer oder billig die Marktspitze gerade gehandelt wird.
Den Charakter dieses Marktes zeigte dann ein einziger Abend. Microsoft und Meta legten am 29. Juli beide ihre Quartalszahlen vor, beide mit Rekordumsätzen. Microsoft stieg am Tag darauf um 15 Prozent, weil das Cloud-Geschäft brummt und die Ausgaben für Künstliche Intelligenz im Rahmen blieben. Meta fiel um 10 Prozent, weil die Gewinnmarge unter genau diesen Investitionen einbrach. Eine Woche zuvor hatte es Tesla mit minus 14 Prozent an einem Tag getroffen.
Der Markt zahlt nicht mehr jeden Preis für Künstliche Intelligenz. Er fragt neuerdings, was sie einbringt.
Genau diese Frage hatten wir uns im Juni gestellt, als wir nicht in die teure Index-Spitze zurückgekehrt sind. Und dann, als die Stimmung am Boden war, drehte alles: Der Nasdaq sprang binnen einer Woche um 9 Prozent nach oben, der breite S&P 500 markierte Anfang August sogar ein neues Allzeithoch. Minus elf, plus neun innerhalb weniger Handelstage. Das ist keine gesunde Marktstruktur. Aber es ist exakt das Terrain, für das unsere Aufstellung gebaut wurde.
Die Regel hat gekauft, als niemand kaufen wollte
Sie erinnern sich an unser Stufenprogramm: Die Aktienquote wächst nicht nach Bauchgefühl, sondern nach festen Schwellen. Die zweite Kaufstufe war seit Juni definiert. Sie löst aus, wenn der Nasdaq 100 per Tagesschluss zehn Prozent unter seinem Hoch schließt.
Am Abend des 29. Juli war es so weit, ausgerechnet am Tag der Notenbanksitzung, in der schlechtesten Stimmung des Monats. Es war, das darf man ehrlich sagen, der Abend, an dem niemand kaufen wollte. Die Regel wollte. Der 29. Juli blieb der tiefste Schlusskurs der gesamten Korrektur. In den Handelstagen darauf haben wir die Aktienbausteine planmäßig aufgestockt, gezielt dort, wo die Bewertungen günstig sind: europäische Substanzwerte, Gesundheit, Lateinamerika und die breite US-Wirtschaft in gleicher Gewichtung. Nur die europäischen Banken haben wir bewusst ausgelassen. Nicht, weil die These nicht aufging, sondern weil sie schon aufgegangen ist: Nach gut 20 Prozent Kurszuwachs im Frühjahr kauft man nicht nach. Disziplin gilt in beide Richtungen.
Zur Einordnung der Preise: Der Weltmarkt kostet derzeit etwa das 17-Fache der erwarteten Gewinne, die US-Technologiespitze das 22- bis 25-Fache. Unsere Zielsegmente haben wir zwischen dem 12- und 15-Fachen eingekauft, bei teils 3 bis 4 Prozent Dividendenrendite.
Kurz erklärt: Was bedeutet „das 17-Fache der erwarteten Gewinne"?
Gemeint ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der für die nächsten zwölf Monate erwarteten Gewinne. Wer eine Aktie zum 17-Fachen kauft, zahlt 17 Euro für jeden Euro Jahresgewinn, den das Unternehmen voraussichtlich erwirtschaftet. Je niedriger die Zahl, desto weniger zahlen Sie für dieselbe Ertragskraft. Ein niedriger Wert ist kein Qualitätsurteil, aber er verbessert die Ausgangslage.
| Europäische Banken | ▲ 8 % |
| Gesundheit weltweit | ▲ 7 % |
| S&P 500 Equal Weight | ▲ 4 % |
| Lateinamerika | ▲ 4 % |
| Europa Value | ▲ 3 % |
| Alle fünf gesamt (gewichtet) | ▲ rund 5 % |
Bemerkenswert ist weniger die Zahl als der Verlauf: Während der Nasdaq elf Prozent verlor, hielten diese Bausteine ihr Niveau oder stiegen. Der Nachzügler Lateinamerika ist seit Anfang Juli angesprungen, nachdem die angekündigten US-Zölle gegen Brasilien milder ausfielen als befürchtet. Die günstigste Region der Welt zahlt weiter rund 4 Prozent Dividende. Und die Edelmetall-Versicherung hatte ihren kleinen Moment, als der Ölpreis über 100 Dollar schoss. Genau für solche Tage liegt sie im Depot.
Wie die Linie jetzt aufgestellt ist
Mit der zweiten Stufe ist der Aktienanteil von knapp zehn auf rund 17 Prozent gewachsen, auf dem Weg zur Zielgröße von etwa 28 Prozent, gut einem Viertel des Depots.
- Rund 17 Prozent Aktien
- Die fünf Bausteine aus Europa, Lateinamerika, Gesundheit und der breiten US-Wirtschaft. Wächst nach Plan weiter Richtung 28 Prozent.
- Gut 45 Prozent marktneutrale Strategien
- Die ruhigen Volatilitäts- und Absolute-Return-Bausteine, die das Depot schon durch den März getragen haben.
- Rund ein Drittel Geldmarktfonds
- Verzinst geparkt. Die Munition für die nächsten Stufen des Programms.
- Rund fünf Prozent Edelmetalle
- Versicherung für den Fall der Fälle, mit ihrem letzten Auftritt beim Ölpreis-Sprung im Juli.
Kommt ein weiterer Rücksetzer, löst die nächste Stufe aus. Kommt er nicht, beginnen wir ab Mitte September, den Rest planmäßig in Monatsraten aufzubauen. Die Regel gilt in beide Richtungen. Sie zwingt uns zu kaufen, wenn es unbequem ist, und sie verbietet uns das Warten auf den perfekten Moment, den es nicht gibt.
Was hängenbleibt
Am Abend des 29. Juli hätte kaum jemand freiwillig auf „Kaufen" gedrückt. Zu rot die Kurse, zu laut die Schlagzeilen. Unsere Regel hat es getan, weil sie dafür geschrieben wurde. Eine Woche später stand der breite Markt auf Rekordniveau. Das ist kein Hellsehen und kein Heldenmut. Es ist der Grund, warum man sich Regeln gibt, solange man sie nicht braucht. Kein Hexenwerk, nur Handwerk.
Eine Bitte zum Schluss: Dieser Marktbrief beschreibt die allgemeine Linie unserer Vermögensverwaltung. Ihr eigenes Depot ist individuell. Wenn Sie Fragen haben oder über Ihre persönliche Aufstellung sprechen möchten, kommen Sie jederzeit gerne auf uns zu. Wir nehmen uns gerne die Zeit.
Bleiben Sie gelassen, wir tun es auch. Bis zur nächsten Ausgabe!
Häufige Fragen
Warum liegt so viel Geld im Geldmarktfonds?
Weil es dort verzinst arbeitet und gleichzeitig sofort verfügbar ist. Unser Stufenprogramm kauft Aktien nach festen Kursschwellen zu. Ohne freie Liquidität könnten wir bei einem Rücksetzer nicht handeln. Der Geldmarktbestand ist also kein Zögern, sondern die Voraussetzung dafür, dass die Regel überhaupt kaufen kann.
Gilt das alles auch für mein Depot?
Der Marktbrief beschreibt die allgemeine Linie. Ihr Depot folgt ihr, weicht im Detail aber ab, je nach Einstiegszeitpunkt, Anlagesumme, steuerlicher Situation und Ihrem persönlichen Risikoprofil. Die genauen Zahlen stehen in Ihrem Report. Wir gehen sie jederzeit gerne mit Ihnen durch.
Was passiert, wenn die Märkte weiter fallen?
Dann greift die nächste Stufe des Programms und wir kaufen erneut zu, so wie am 29. Juli. Genau dafür halten wir die Liquidität. Fallende Kurse sind für einen Anleger im Aufbau keine Bedrohung, sondern ein besserer Einstiegspreis. Unangenehm fühlt es sich trotzdem an, und deshalb entscheidet nicht die Stimmung, sondern die Regel.
Warum haben Sie die europäischen Banken nicht nachgekauft?
Weil sie ihre Aufgabe bereits erfüllt haben. Nach gut 20 Prozent Kurszuwachs im Frühjahr ist der Bewertungsvorteil, wegen dem wir eingestiegen sind, zu einem guten Teil abgebaut. Wir kaufen dort nach, wo es günstig ist, nicht dort, wo es zuletzt gut lief. Die Position bleibt im Depot, sie wird nur nicht vergrößert.
Philipp Schütz, Die BeratungsManufaktur GmbH
Diese Information dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung oder Empfehlung dar. Die dargestellten Wertentwicklungen beziehen sich auf einen konkreten, abgeschlossenen Zeitraum und sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Jede Kapitalanlage ist mit Risiken verbunden, bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals.